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WOHNEN IN DER HOFSTRASSE

WOHNEN IN DER HOFSTRASSE

Die Ordnung des Mauerwerks – Ziegelarchitektur im historischen Kontext

ORT: MÜNSTER, DEUTSCHLAND

JAHR: 2020

TYPOLOGIE: WOHNEN

STATUS: FERTIGGESTELLT

BAUHERR: ARCHITEKTURENTWICKLUNG DREHER & DREHER

FOTOS UND GRAFIKEN: ROMAN MENSING / JÖRGEN DREHER

Die Ordnung des Mauerwerks – Ziegelarchitektur im historischen Kontext

Die Ordnung des Mauerwerks – Ziegelarchitektur im historischen Kontext

Im historischen Wigbold von Wolbeck, unweit der Kirche St. Nikolaus, steht ein Mehrfamilienhaus mit acht Eigentumswohnungen. Der Neubau fügt sich selbstverständlich in die kleinteilige Struktur des Ortskerns ein und interpretiert die traditionelle Ziegelarchitektur des Münsterlands in zeitgenössischer Weise.
Die Straßenfassade ist vollständig aus Wasserstrichziegeln gemauert. Ihre Erscheinung entsteht nicht aus applizierter Gestaltung, sondern aus der tektonischen Logik des Mauerwerks. Sämtliche Differenzierungen im Fassadenbild sind konstruktiv begründet und aus der Fügung entwickelt.
Zur Straße sind den Wohnungen Wintergärten vorgelagert, die hinter gemauerten Stichbogenöffnungen liegen. Diese bilden eine räumliche Pufferzone zwischen öffentlichem Straßenraum und privatem Wohnen. Die Bögen überspannen die Öffnungen des Mauerwerks und strukturieren die Fassade.
Die Ziegelfügung folgt einer klaren konstruktiven Logik. Veränderungen der Wandstärke werden im Fassadenbild ablesbar gemacht. Der Verband wechselt selbstverständlich vom Läuferverband zum Blockverband. Gestapelte Grenadierschichten markieren die Lage konstruktiv notwendiger Balken. Größere Wandflächen werden durch das gezielte Hervortreten einzelner Ziegel im Raster subtil rhythmisiert.

Wo konstruktive Anforderungen dies verlangen, wird das Mauerwerk durch präzise gesetzte Bauteile aus Sichtbeton ergänzt. Fensterbänke oder Mauerabdeckungen treten so als tektonisch begründete Elemente in Erscheinung.

Die Fassadengestaltung entsteht somit vollständig aus Material, Konstruktion und Fügung. Es entwickelt sich eine ruhig ornamentierte Ziegelarchitektur, deren Ausdruck aus der tektonischen Logik des Mauerwerks hervorgeht.
Dem handwerklich geprägten Charakter der Ziegelfassade steht im Inneren ein bewusst reduzierter Raum gegenüber. Das Treppenhaus ist minimal, ruhig und einfarbig gehalten. Wände und Decken sind in einem hellen Pastellgrün gefasst und bilden einen atmosphärischen Kontrast zur konstruktiven Ziegelarchitektur der Außenhaut.
Im Hof befindet sich eine gemeinschaftliche Obstwiese mit Brunnen, die als grüner Mittelpunkt der Anlage dient.

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