
HAUS N°6 B
Umgekehrte Ordnung am Hang
ORT: HAVIXBECK, DEUTSCHLAND
JAHR: 2019
TYPOLOGIE: WOHNEN
STATUS: FERTIGGESTELLT
BAUHERR: PRIVAT
FOTOS UND GRAFIKEN: ROMAN MENSING / JÖRGEN DREHER

Umgekehrte Ordnung am Hang
Das Haus entsteht auf einem kleinen Grundstück in Hanglage und entwickelt seine räumliche Logik aus den Bedingungen des Ortes sowie den Vorgaben des Bebauungsplans. Die topografische Situation wird nicht ausgeglichen, sondern in eine gestaffelte innere Organisation übersetzt. So entsteht ein Wohnhaus, das sich über mehrere Split-Level entfaltet und seine Räume in enger Beziehung zur Geländebewegung ausbildet.
Der Entwurf beruht auf einer Umkehrung der üblichen Hausordnung. Der zentrale Wohnraum befindet sich nicht im Hauptgeschoss, sondern unter dem Dach. An die Stelle eines konventionellen Spitzbodens tritt ein zweigeschossiger Raum, der sich bis in den First öffnet und als gemeinschaftlicher Mittelpunkt des Hauses ausgebildet ist. Die privaten und dienenden Funktionen sind in den darunterliegenden Ebenen angeordnet. Schlafen und Baden liegen im unteren Bereich, die Kinderzimmer mit eigenem Bad auf der Eingangsebene. Darüber folgen Küche, bevor die Raumfolge im Wohnbereich und Arbeitsbereich ihren höchsten und zugleich offensten Punkt erreicht.
Die Qualitäten des Hauses liegen in der präzisen Staffelung seiner Räume und in der räumlichen Dichte des inneren Zusammenhangs. Zwischen den Ebenen entstehen Blickbezüge, kurze Wege und abgestufte Übergänge. Die Treppe verbindet die Split-Level nicht nur funktional, sondern als räumliches Gerüst des Hauses. Sie organisiert Bewegung, Sichtachsen und Proportionen und bindet die einzelnen Bereiche zu einem durchgehenden Kontinuum zusammen.
Der Grundriss ist offen angelegt und auf langfristige Anpassbarkeit ausgelegt. Die Reduktion von Trennungen und Bauteilen ermöglicht unterschiedliche Nutzungen im Zeitverlauf. Der Bereich der Kinderzimmer kann später mit geringem Aufwand separat organisiert und als eigenständige Einheit erschlossen werden. Die Offenheit ist damit nicht nur räumliches, sondern auch strukturelles Prinzip des Entwurfs.
Material und Konstruktion folgen einer klaren Gliederung. Ein massiver Sockel aus Beton und Klinker bildet die Basis des Hauses. Darüber liegt die leichtere Dachkonstruktion mit verglasten Giebelseiten. Die Verglasungen belichten insbesondere den oberen Wohnraum tief und gleichmäßig und verstärken seine vertikale Ausdehnung.
Zwischen Küche und Wohnraum steht ein geschosshoher Tunnelkamin als räumliches und funktionales Zentrum. Er verbindet die Ebenen visuell und atmosphärisch und übernimmt zugleich einen Teil der Beheizung. Ergänzt wird das System durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Auf diese Weise werden räumliche Idee, Nutzung und technische Funktion eng miteinander verknüpft.
Das Haus versteht sich als präzise Antwort auf begrenzte Fläche, komplexe Topografie und enge Vorgaben. Seine architektonische Qualität entsteht aus der Neuordnung vertrauter Elemente: aus der Verschiebung des Wohnens nach oben, aus der Staffelung der Ebenen und aus der Konzentration auf wenige, klare räumliche und konstruktive Mittel.

























