
HAUS N°8 D
Typologie und Kontext – Die räumliche Sequenz eines Wohn- und Atelierhauses
ORT: HOCHHEIM AM MAIN, DEUTSCHLAND
JAHR: 2022
TYPOLOGIE: WOHNEN
STATUS: FERTIGGESTELLT
BAUHERR: PRIVAT
FOTOS UND GRAFIKEN: JÖRGEN DREHER

Typologie und Kontext – Die räumliche Sequenz eines Wohn- und Atelierhauses
Das HAUS N°8 D in Hochheim am Main entwickelt seine architektonische Haltung aus dem städtebaulichen Kontext und der Typologie des Wohn- und Atelierhauses. Der Entwurf folgt keiner formalen Geste, sondern einer klaren räumlichen Logik: Sockel und Volumen, Offenheit und Rückzug, Kubus und Archetyp.
Zur Straße hin formuliert ein präzise geschnittener, auskragender Kubus eine klare Adresse. Das Obergeschoss schiebt sich über das Erdgeschoss und bildet ein überdachtes Entrée – Schutzraum und Schwelle zugleich. Die Geste ist ruhig, aber bestimmt; sie verleiht dem Haus Präsenz, ohne laut zu sein.
Das Erdgeschoss ist als langgestreckte, schmale Raumlandschaft organisiert. Zur Gartenseite öffnet sich der Raum nahezu vollständig über großformatige Verglasungen. Die Grenze zwischen Innen und Außen wird aufgelöst, der Wohnraum verlängert sich in die Landschaft. Zur Nachbarseite hingegen bleibt die Fassade geschlossen – ein bewusst gesetzter Rücken, der Privatheit und Konzentration schafft. Diese radikale Dualität verleiht dem Grundriss Klarheit.
Statt klassischer Raumabfolgen strukturieren eingestellte Funktionskuben den offenen Grundriss. Küche, Nebenräume und dienende Bereiche erscheinen als kompakte Volumen innerhalb eines fließenden Kontinuums. Der Raum wird nicht durch Wände zerteilt, sondern durch Verdichtung zoniert. Das Erdgeschoss wirkt so als horizontale Basis – als Sockel –, auf dem zwei unterschiedliche Baukörper des Obergeschosses ruhen.
Über eine eingeschnittene Dachterrasse werden die Volumen voneinander getrennt. Diese räumliche Fuge bringt Licht in die Tiefe des Hauses und markiert den Übergang zwischen privatem Wohnbereich und Atelier. Während der straßenseitige Baukörper die Schlaf- und Nebenräume aufnimmt, erhebt sich zum Garten hin ein Satteldachvolumen, das das Atelier beherbergt. In seiner Geometrie an die Nachbarbebauung angelehnt, zitiert es die archetypische Hausform und übersetzt sie in eine zeitgenössische Sprache.
Der Schnitt offenbart die eigentliche Dramaturgie des Hauses: vom geschützten Eingang unter der Auskragung über die horizontale Raumlandschaft des Erdgeschosses bis hin zur vertikalen Großzügigkeit des Ateliers. Das Haus entfaltet sich nicht über spektakuläre Fassadenbilder, sondern über räumliche Sequenzen.
Die Materialität unterstreicht diese Haltung. Eine grobe Kratzputzfassade mit 8 mm Körnung verleiht dem Baukörper Körperhaftigkeit und Tiefe. Das Licht modelliert die Oberfläche, Schatten zeichnen Relief. Dem haptisch wirkenden, mineralischen Putz wird präzises Metall entgegengesetzt – etwa im Doppelstehfalz des Atelierdaches oder in klar geführten Anschlüssen. Rauheit trifft auf Präzision, Massivität auf technische Klarheit. Die Details sind zurückhaltend, aber konsequent ausgeführt.
Das HAUS N°8 D ist kein ikonisches Statement, sondern eine kontrollierte Komposition aus Volumen, Fugen und Material. Es verbindet städtebauliche Einbindung mit typologischer Klarheit und zeigt, wie aus einfachen geometrischen Prinzipien ein differenziertes, atmosphärisch dichtes Wohn- und Atelierhaus entstehen kann.


























