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GASTHOF AN DER VITUSSTRASSE

GASTHOF AN DER VITUSSTRASSE

Schichten der Zeit – Freilegen, Rahmen, Weiterbauen

ORT: EVERSWINKEL, DEUTSCHLAND

JAHR: 2022

TYPOLOGIE: HOTEL UND GASTRONOMIE

STATUS: FERTIGGESTELLT

BAUHERR: ARCHITEKTURENTWICKLUNG DREHER & DREHER

FOTOS UND GRAFIKEN: ROMAN MENSING / JD A

Schichten der Zeit – Freilegen, Rahmen, Weiterbauen

Schichten der Zeit – Freilegen, Rahmen, Weiterbauen

Mit der Revitalisierung des Gasthofs an der Vitusstraße in Everswinkel wurde ein ortsbildprägendes Baudenkmal in eine zeitgemäße Nutzung als Hotel- und Gastronomiebetrieb überführt. Das langgestreckte, traufenständige Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert mit Krüppelwalmdach und Zwerchhaus ist als Wohn- und Gasthaus in die Denkmalliste eingetragen; insbesondere die zur Vitusstraße und zum Kirchplatz orientierte Straßenfassade mit ihrer charakteristischen Achsigkeit und der historischen Haustür prägt den öffentlichen Raum.
Der Entwurf versteht den Bestand als Träger von Atmosphäre, Erinnerung und Maßstäblichkeit. Ziel war eine behutsame Instandsetzung und gestalterische Klärung: erhaltenswerte Bauteile wurden repariert und restauriert, spätere Überformungen kritisch geprüft und dort zurückgenommen, wo sie die Lesbarkeit des Hauses beeinträchtigten. Alte Oberflächen wurden behutsam geöffnet und dort, wo es möglich war, sichtbar gemacht. Neue, zurückhaltende Oberflächen rahmen diese Spuren, ordnen sie und rücken sie ins Licht. So entsteht keine restaurative Rekonstruktion, sondern eine präzise Lesbarkeit von Alt und Neu – ein bewusst gesetzter Dialog, bei dem der Bestand die Bühne behält.

Parallel dazu wurde die innere Organisation an heutige Anforderungen angepasst. Neue Einbauten und Ergänzungen markieren eine eigenständige zeitgenössische Schicht, die sich in Haltung und Materialität dem historischen Gefüge unterordnet. Erhaltenswerte Konstruktionen, insbesondere historische Fachwerkteile, wurden freigelegt und sind heute sichtbarer Bestandteil des architektonischen Ausdrucks. Zeitgenössische Materialien und Oberflächen ergänzen den Bestand als Neuinterpretation westfälischer Gasthofarchitektur – robust und warm, präzise im Detail, ohne folkloristisch zu werden.
So entsteht ein Haus, das seine Geschichte nicht ausstellt, sondern weiterführt: als alltagstaugliches Gebäude, in dem denkmalpflegerische Sorgfalt und betriebliche Funktionalität zusammenspielen. Die Revitalisierung setzt auf die Qualität des Vorhandenen – auf Proportion, Handwerk und eine ruhige architektonische Sprache – und stärkt damit einen identitätsstiftenden Ort im Zentrum von Everswinkel.

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